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Wasser in der Uhr – Was tun? Die wichtigsten Sofortmassnahmen

  • Autorenbild: Marc Jenni
    Marc Jenni
  • 6. Aug.
  • 6 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 5 Tagen

MIKI ELETA Timeburner Armbanduhr am Handgelenk unter Wasser – Test der Wasserdichtigkeit einer mechanischen Uhr.

Ein Wasserschaden bedeutet nicht zwangsläufig das Ende Ihrer Uhr. Doch jetzt zählt jede Stunde. Erfahren Sie, welche Sofortmassnahmen wirklich sinnvoll sind, welche Fehler Sie vermeiden sollten und warum schnelles Handeln oft über den Umfang der Reparatur entscheidet.


Wasser unter dem Glas entdeckt? Jetzt zählt die Zeit.


Sie nehmen Ihre Uhr vom Handgelenk und entdecken plötzlich Feuchtigkeit oder sogar kleine Wassertropfen unter dem Glas.


Der erste Gedanke lautet oft:

„Vielleicht verschwindet das wieder von alleine.“


Oder:

„Die Uhr läuft ja noch – dann kann es nicht so schlimm sein.“


Leider gehören beide Aussagen zu den häufigsten Irrtümern.

Während von aussen oft kaum etwas zu erkennen ist, kann im Inneren bereits ein Prozess begonnen haben, der das Uhrwerk nachhaltig beschädigt.


Die gute Nachricht: Je schneller richtig gehandelt wird, desto grösser sind die Chancen, Ihre Uhr vollständig zu retten.


Sind Sie unsicher, ob es sich lediglich um harmlosen Beschlag oder bereits um einen Wasserschaden handelt? In unserem Beitrag „Warum beschlägt eine Uhr? Unterschied zwischen Beschlag und Wasserschaden“ erklären wir, woran Sie den Unterschied erkennen und wann Handlungsbedarf besteht.


Warum Wasser einer Uhr schadet


Viele glauben, das Wasser selbst sei das eigentliche Problem.

Aus unserer Erfahrung in der Werkstatt ist jedoch etwas anderes entscheidend:

Nicht das Wasser verursacht den grössten Schaden – sondern die Zeit.

Sobald Feuchtigkeit in das Uhrwerk gelangt, beginnt sie mit den feinen Schmierstoffen zu reagieren. Die Öle verlieren ihre Schmierwirkung, blanke Stahlteile beginnen zu oxidieren und erste Korrosionsspuren entstehen oft lange bevor die Uhr überhaupt stehen bleibt.


Viele dieser Schäden sind von aussen zunächst nicht sichtbar. Genau deshalb wird ein Wasserschaden häufig unterschätzt.


Deshalb wirkt eine Uhr nach einem Wasserschaden häufig noch völlig normal – obwohl im Inneren bereits Schäden entstehen.


Die wichtigsten Sofortmassnahmen


⚠️ Alle folgenden Tipps dienen lediglich dazu, die Zeit bis zum Uhrmacher möglichst schadlos zu überbrücken. Sie ersetzen niemals eine professionelle Öffnung und Reinigung der Uhr.

Sofort handeln


1. Uhr sofort ablegen


Tragen Sie die Uhr nicht weiter und versuchen Sie nicht, sie „leer laufen“ zu lassen.


Jede Bewegung verteilt vorhandene Feuchtigkeit weiter im Werk und kann dazu beitragen, dass auch bisher trockene Bereiche betroffen werden.


2. Keine Funktionen mehr betätigen


Verzichten Sie darauf,

  • die Krone zu drehen,

  • die Uhr aufzuziehen,

  • das Datum zu verstellen oder

  • einen Chronographen zu bedienen.


Dadurch können Wasser und Feuchtigkeit noch tiefer in das Uhrwerk gelangen.


3. So schnell wie möglich zum Uhrmacher


Ist ein Uhrmacher in der Nähe, sollten Sie keine Zeit verlieren. Das schnelle Öffnen und Trocknen des Uhrwerks ist die wirkungsvollste Massnahme, um Folgeschäden zu vermeiden.


Je früher eine Uhr geöffnet wird, desto grösser sind die Chancen, Korrosion und weitere Schäden zu verhindern.

Bei einem Wasserschaden entscheidet oft nicht die Wassermenge über die Reparaturkosten – sondern die Zeit bis zur Öffnung der Uhr.

Falls ein sofortiger Uhrmacherbesuch nicht möglich ist


Manchmal passiert ein Wasserschaden im Urlaub, am Wochenende oder an einem Ort ohne Uhrmacher in der Nähe.


  • MIKI ELETA Timeburner Armbanduhr auf der Route 66 – Schweizer Uhr auf Reisen.
  • MIKI ELETA Armbanduhr am Handgelenk bei Sonnenuntergang – hochwertige Schweizer Uhr im Alltag.
  • MIKI ELETA Timeburner Armbanduhr vor dem Las-Vegas-Schild – Schweizer Uhr auf Reisen.

In diesem Fall können die folgenden Massnahmen helfen, die Zeit bis zur professionellen Reparatur möglichst gut zu überbrücken.


4. Krone öffnen – sofern sie nicht verschraubt ist


Besitzt Ihre Uhr eine normale Aufzugskrone, kann diese vorsichtig in die Zeigerstellposition gezogen werden.


Dadurch kann ein Teil der Feuchtigkeit entweichen.


Bei verschraubten Kronen oder wenn Sie unsicher sind, sollten Sie darauf verzichten und die Uhr möglichst unverändert zum Uhrmacher bringen.


5. Die Uhr mit dem Glas nach unten lagern


Aus unserer Werkstatterfahrung empfehlen wir, die Uhr möglichst ruhig auf einer trockenen Unterlage mit dem Glas nach unten zu lagern.


Dadurch kann sich vorhandenes Wasser bevorzugt auf der Innenseite des Glases sammeln, anstatt sich bei Bewegungen weiter im Gehäuse zu verteilen.


Diese einfache Sofortmassnahme kann helfen, den Schaden bis zum Besuch beim Uhrmacher möglichst gering zu halten. Sie ersetzt jedoch keine professionelle Intervention.


6. Trocken aufbewahren


Falls Sie nicht sofort einen Uhrmacher aufsuchen können, bewahren Sie die Uhr möglichst trocken auf.


Eine luftdichte Box oder ein verschliessbarer Beutel mit einigen Silica-Gel-Beuteln (Trockenmittel) kann helfen, der Umgebungsluft etwas Feuchtigkeit zu entziehen.


Wichtig zu wissen: Dadurch wird das bereits eingedrungene Wasser im Uhrwerk nicht entfernt. Es handelt sich deshalb eher um eine „besser als nichts“-Massnahme, die etwas Zeit verschaffen kann – eine fachgerechte Reparatur ersetzt sie jedoch nicht.


Dasselbe gilt übrigens auch für Reis. Er kann die Luftfeuchtigkeit in geringem Mass reduzieren, erreicht das Wasser im Inneren der Uhr jedoch nicht.


💡 Unser Tipp aus der Werkstatt


Lassen Sie sich nicht davon täuschen, wenn die Uhr noch einwandfrei läuft oder der Beschlag plötzlich verschwindet.


Beides bedeutet nicht, dass der Wasserschaden behoben ist. Häufig hat sich die Feuchtigkeit lediglich im Inneren des Uhrwerks verteilt, wo sie Korrosion verursachen und die feinen Schmierstoffe beeinträchtigen kann.


Nicht das Wasser entscheidet über den Schaden – sondern die Zeit bis zur professionellen Öffnung der Uhr.


Korrodiertes Uhrwerk nach einem Wasserschaden – Rost und beschädigte Komponenten durch eingedrungene Feuchtigkeit.
Bereits wenige Tage nach einem Wasserschaden können erste Korrosionsspuren im Uhrwerk entstehen.

Die grössten Irrtümer


„Die Uhr läuft ja noch.“

Das hören wir in unserer Werkstatt regelmässig.

Dass eine Uhr noch funktioniert, bedeutet leider nicht, dass kein Schaden entstanden ist.

Korrosion beginnt häufig lange bevor das Uhrwerk stehen bleibt.


„Der Beschlag ist wieder verschwunden.“

Auch das wird oft missverstanden.

Verschwindet die Feuchtigkeit unter dem Glas, bedeutet das nicht, dass das Wasser verschwunden ist.

Meist hat es sich lediglich im Inneren des Uhrwerks verteilt – dort, wo es den grössten Schaden anrichten kann.

Wie sich harmloser temperaturbedingter Beschlag von einem echten Wasserschaden unterscheidet, erklären wir ausführlich in unserem Fachartikel „Warum beschlägt eine Uhr? Unterschied zwischen Beschlag und Wasserschaden“.


„Ich lasse die Uhr einfach ein paar Tage trocknen.“

Leider beginnt Korrosion bereits lange bevor die Uhr vollständig getrocknet ist.

Das Wasser verschwindet mit der Zeit zwar scheinbar, zurück bleiben jedoch häufig Rost, beschädigte Schmierstoffe oder Ablagerungen im Uhrwerk.


„Sie ist doch bis 200 Meter wasserdicht.“

Die Wasserdichtigkeit einer Uhr ist keine lebenslange Eigenschaft.

Dichtungen altern, verhärten oder können durch Stösse beschädigt werden. Auch eine nicht vollständig verschraubte Krone genügt, damit Wasser eindringen kann.

Deshalb empfehlen wir, die Wasserdichtigkeit regelmässig überprüfen zu lassen.


Salzwasser erfordert besonders schnelles Handeln


Ist Meerwasser in die Uhr eingedrungen, besteht besonderer Handlungsbedarf.


Salz beschleunigt Korrosion erheblich und greift Schrauben, Federn, Lager und weitere Stahlkomponenten innerhalb kurzer Zeit an.


Befindet sich lediglich Salzwasser auf Gehäuse oder Metallband und die Uhr ist dicht geblieben, sollte sie möglichst rasch mit klarem Süsswasser abgespült werden, um Salzrückstände zu entfernen.


Besteht jedoch der Verdacht, dass Salzwasser in die Uhr eingedrungen ist, sollte sie möglichst noch am selben Tag von einem Uhrmacher geöffnet werden.


Was tun, wenn der Wasserschaden im Urlaub passiert?


  • Marc Jenni Prologue WDT – Schweizer Armbanduhr in natürlicher Umgebung am Seeufer.
  • MAURICE LACROIX Armbanduhr am Pool – Wasserdichtigkeit einer Uhr regelmässig prüfen lassen.
  • Wasserdichter CERTINA Chronograph am Meeresstrand – Armbanduhr im Kontakt mit Meerwasser und Wellen.

Gerade in den Ferien passiert es besonders häufig: beim Schwimmen, Tauchen oder am Strand.


Unser Rat lautet:

Suchen Sie – wenn möglich – einen qualifizierten Uhrmacher vor Ort auf, der das Gehäuse öffnen und das Uhrwerk trocknen kann.


Versuchen Sie nicht, das Gehäuse selbst zu öffnen. Eigenversuche mit Messern, Schraubenziehern oder improvisiertem Werkzeug führen häufig zu zusätzlichen Schäden an Gehäuse, Dichtungen oder Uhrwerk.


Eine vollständige Revision ist im Ausland meist nicht notwendig. Wichtig ist zunächst, die Feuchtigkeit so rasch wie möglich aus der Uhr zu entfernen.


Die eigentliche Revision kann anschliessend in Ruhe zu Hause durchgeführt werden.


So retten wir eine Uhr nach einem Wasserschaden


In unserer Werkstatt genügt es nicht, eine Uhr lediglich zu trocknen.


Je nach Schadensbild wird das Uhrwerk vollständig zerlegt. Sämtliche Komponenten werden sorgfältig gereinigt und unter der Lupe kontrolliert. Bereits kleinste Korrosionsspuren können später die Funktion oder Lebensdauer des Uhrwerks beeinträchtigen.


Beschädigte oder korrodierte Teile werden konsequent ersetzt, bevor das Werk neu montiert, geschmiert und reguliert wird. Abschliessend prüfen wir die Wasserdichtigkeit, damit Ihre Uhr wieder zuverlässig geschützt ist.


Nur so lässt sich sicherstellen, dass keine versteckten Korrosionsschäden zurückbleiben.



Häufig gestellte Fragen (FAQ)


Kann ich meine Uhr nach einem Wasserschaden weiter tragen?

Nein. Jede Bewegung kann Feuchtigkeit weiter im Uhrwerk verteilen und den Schaden vergrössern.

Sie können der Umgebungsluft etwas Feuchtigkeit entziehen und sind deshalb besser als nichts, wenn Sie nicht sofort zu einem Uhrmacher gelangen. Das bereits eingedrungene Wasser im Uhrwerk entfernen sie jedoch nicht und ersetzen keine professionelle Reparatur.

In vielen Fällen ja – vorausgesetzt, die Uhr wird rasch geöffnet, gereinigt und fachgerecht instand gesetzt.

Idealerweise noch am selben Tag. Besonders nach Kontakt mit Salzwasser sollte keine Zeit verloren werden.

Ja. Dichtungen altern, können beschädigt werden oder die Krone war nicht vollständig verschlossen. Deshalb sollte die Wasserdichtigkeit regelmässig kontrolliert werden.


Fazit


Ein Wasserschaden bedeutet nicht zwangsläufig, dass eine Uhr verloren ist.


Entscheidend ist jedoch, wie schnell gehandelt wird.


Je früher Feuchtigkeit entfernt und das Uhrwerk professionell überprüft wird, desto grösser sind die Chancen, dass Ihre Uhr ohne bleibende Schäden gerettet werden kann und Sie noch viele Jahre zuverlässig begleitet.


Denn bei einem Wasserschaden gilt eine einfache Regel:

Nicht das Wasser entscheidet über den Schaden – sondern die Zeit.


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