Warum beschlägt eine Uhr?
- Marc Jenni

- 18. Juli
- 5 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 30. Juli

Unterschied zwischen Beschlag und Wasserschaden
Viele Besitzer erschrecken, wenn ihre Uhr plötzlich von innen beschlägt. Doch nicht jede beschlagene Uhr bedeutet automatisch einen Wasserschaden. Unsere Uhrmacher erklären den Unterschied zwischen harmlosem Beschlag und einem echten Wasserschaden – und wann Sie schnell handeln sollten.
Ein feiner Beschlag verschwindet häufig nach kurzer Zeit wieder und verursacht nicht zwangsläufig einen Schaden am Uhrwerk. Sichtbare Wassertropfen unter dem Glas sind hingegen ein Warnsignal und sollten umgehend von einem Uhrmacher überprüft werden.
In unserem Uhrmacheratelier in Zürich sehen wir regelmässig Uhren, bei denen aus zunächst harmlos wirkendem Beschlag innerhalb weniger Wochen erhebliche Korrosionsschäden entstanden sind. Bereits wenige Tage Feuchtigkeit können ausreichen, um erste Schäden an empfindlichen Bauteilen und Schmierstoffen zu verursachen. Je früher die Ursache erkannt wird, desto grösser sind die Chancen, kostspielige Folgeschäden zu vermeiden.
Beschlag oder Wasserschaden – wo liegt der Unterschied?
Obwohl beide Phänomene durch Feuchtigkeit verursacht werden, unterscheiden sie sich deutlich.
Leichter Beschlag
Ein feiner Beschlag zeigt sich als gleichmässiger Schleier auf der Innenseite des Uhrglases. Er entsteht, wenn feuchte Luft ins Gehäuse gelangt und bei einem Temperaturwechsel kondensiert.
Typische Merkmale:
feiner Nebel oder Schleier
verschwindet häufig nach kurzer Zeit wieder
meist noch keine unmittelbare Beschädigung des Uhrwerks
Dennoch gilt: Feuchtigkeit hat im Inneren einer Uhr nichts zu suchen. Auch wenn der Beschlag verschwindet, sollte die Uhr kontrolliert werden.
Echter Wasserschaden
Gelangt flüssiges Wasser ins Gehäuse, entstehen sichtbare Tropfen oder Wasserperlen unter dem Glas.
Typische Merkmale:
sichtbare Wassertropfen
Wasser auf Zifferblatt oder Uhrwerk
Gefahr von Rost und Korrosion
Hier sollte die Uhr möglichst schnell zu einem Uhrmacher gebracht werden. Bereits nach kurzer Zeit können Rost und Korrosionsschäden entstehen.
Warum beschlägt eine Uhr?
Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten, wie Feuchtigkeit in eine Uhr gelangt.
Die erste und häufigere Ursache ist feuchte Luft. Selbst kleinste Undichtigkeiten an Dichtungen, Krone oder Gehäuse können dazu führen, dass feuchte Umgebungsluft ins Uhrengehäuse eindringt. Kühlt die Uhr anschliessend ab, kondensiert die Luftfeuchtigkeit auf der Innenseite des Glases – ähnlich wie eine beschlagene Fensterscheibe.
Die zweite Möglichkeit besteht darin, dass tatsächlich Wasser in das Gehäuse eindringt. Dies kann beispielsweise beim Schwimmen, Duschen oder durch beschädigte Dichtungen geschehen. In diesem Fall entsteht kein leichter Beschlag, sondern ein echter Wasserschaden.
Auch wasserdichte Uhren sind davor nicht vollständig geschützt. Dichtungen altern mit der Zeit und verlieren ihre Elastizität. Kommen starke Temperaturschwankungen hinzu – etwa wenn eine aufgeheizte Uhr plötzlich in kaltes Wasser getaucht wird – entsteht im Gehäuse ein kurzfristiger Unterdruck. Sind die Dichtungen nicht mehr einwandfrei, kann dadurch Feuchtigkeit oder Wasser ins Gehäuse gezogen werden.
Welche Schäden kann Feuchtigkeit verursachen?
Bereits geringe Mengen Feuchtigkeit können langfristig erhebliche Schäden verursachen.
Mögliche Folgen sind:
Rost an Stahlteilen
Korrosion empfindlicher Bauteile
beschädigte Schmierstoffe
eingeschränkte Ganggenauigkeit
im Extremfall dauerhafte Schäden am Uhrwerk
In unserem Uhrmacheratelier erleben wir regelmässig, dass bereits wenige Tage Feuchtigkeit ausreichen können, um erste Korrosionsschäden entstehen zu lassen. Gerade bei hochwertigen mechanischen Uhren entscheidet deshalb oft die Geschwindigkeit, mit der ein Wasserschaden erkannt und behoben wird.
Gerade bei hochwertigen mechanischen Uhren lassen sich solche Schäden durch rechtzeitiges Handeln oft vollständig vermeiden.
Was sollten Sie bei Beschlag tun?
Zeigt sich lediglich ein leichter Beschlag, besteht meist kein unmittelbarer Grund zur Panik.
Trotzdem empfiehlt es sich:
die Uhr möglichst trocken aufzubewahren
starke Temperaturwechsel zu vermeiden
die Uhr zeitnah von einem Uhrmacher kontrollieren zu lassen
Auch wenn der Beschlag wieder verschwindet, bleibt die Ursache bestehen: Feuchtigkeit ist in das Gehäuse eingedrungen.
Wird die Ursache frühzeitig behoben, genügt häufig eine Dichtigkeitsprüfung oder eine kleinere Instandsetzung. Bleibt Feuchtigkeit jedoch unbemerkt im Uhrwerk, kann später eine vollständige Revision notwendig werden. Warum regelmässige Wartung so wichtig ist und in welchen Intervallen eine Revision empfohlen wird, erfahren Sie in unserem Beitrag „Wie oft sollte eine Uhr zur Revision?“.
Was tun bei einem Wasserschaden?
Sind sichtbare Wassertropfen unter dem Glas erkennbar, sollten Sie schnell handeln.
Wichtig ist:
Uhr nicht weiter tragen
Krone möglichst nicht betätigen
Uhr nicht selbst öffnen
Uhr möglichst rasch einem Uhrmacher bringen
Je schneller das Uhrwerk zerlegt, gereinigt und getrocknet wird, desto grösser ist die Chance, Folgeschäden zu vermeiden.
Ob in einem solchen Fall eine gezielte Reparatur ausreicht oder eine vollständige Revision erforderlich ist, hängt vom Ausmass des Schadens ab. Mehr dazu erfahren Sie in unserem Fachbeitrag „Unterschied zwischen Revision und Reparatur“.
Wie erkennt der Uhrmacher die Ursache?
Im Uhrmacheratelier wird zunächst geprüft, ob tatsächlich Feuchtigkeit eingedrungen ist und wodurch sie verursacht wurde.
Je nach Uhr gehören dazu unter anderem:
Sichtkontrolle
Dichtigkeitsprüfung
Kontrolle der Dichtungen
Untersuchung des Uhrwerks auf Korrosion
Prüfung der Schmierstoffe
Erst danach lässt sich beurteilen, welche Arbeiten erforderlich sind.
Wie lässt sich Beschlag vermeiden?

Die beste Vorsorge besteht darin, die Wasserdichtigkeit Ihrer Uhr regelmässig überprüfen zu lassen.
Wir empfehlen ausserdem:
Dichtungen regelmässig kontrollieren lassen
nach jedem Batteriewechsel eine Dichtigkeitsprüfung durchführen
niemals mit geöffneter Krone ins Wasser gehen
eine aufgeheizte Uhr nicht direkt in kaltes Wasser tauchen
Beschlag niemals ignorieren
Gerade bei Taucheruhren und häufig getragenen Alltagsuhren empfiehlt sich eine regelmässige Dichtigkeitsprüfung. Hochwertige Taucheruhren sind zudem ideale Begleiter für Sommerurlaub, Wassersport oder Wintersport, da sie speziell für anspruchsvolle Bedingungen entwickelt wurden. Erfahren Sie mehr in unserem Beitrag „Sommeruhren für jedes Abenteuer“.
Wann ist eine Revision notwendig?
Hat Feuchtigkeit bereits das Uhrwerk erreicht, genügt eine einfache Trocknung häufig nicht mehr. Korrosion und beschädigte Schmierstoffe machen oftmals eine vollständige Revision erforderlich.
Warum regelmässige Wartung so wichtig ist und in welchen Intervallen eine Revision empfohlen wird, erfahren Sie in unserem Beitrag „Wie oft sollte eine Uhr zur Revision?“.
Möchten Sie wissen, welche Faktoren die Kosten einer Revision beeinflussen, lesen Sie unseren Fachartikel „Was kostet eine Uhrenrevision?“.
Falls Sie sich fragen, worin der Unterschied zwischen einer Revision und einer Reparatur besteht, empfehlen wir Ihnen ausserdem unseren Beitrag „Unterschied zwischen Revision und Reparatur“.
Häufig gestellte Fragen
Ist leichter Beschlag gefährlich?
Nicht unbedingt. Leichter Beschlag verschwindet häufig wieder. Dennoch sollte die Ursache überprüft werden, da Feuchtigkeit in das Gehäuse eingedrungen ist.
Kann ich meine Uhr selbst trocknen?
Davon raten wir ab. Hausmittel oder das Öffnen der Uhr können den Schaden vergrössern. Eine fachgerechte Kontrolle durch einen Uhrmacher ist die sicherste Lösung.
Ist eine wasserdichte Uhr vollständig gegen Feuchtigkeit geschützt?
Nein. Dichtungen altern und können mit der Zeit ihre Schutzwirkung verlieren. Deshalb sollte die Wasserdichtigkeit regelmässig überprüft werden.
Muss meine Uhr nach einem Wasserschaden immer revidiert werden?
Nicht zwingend. Entscheidend ist, wie viel Feuchtigkeit eingedrungen ist und wie schnell gehandelt wird. Je früher eine Uhr zum Uhrmacher gelangt, desto grösser ist die Chance, Folgeschäden zu vermeiden.
Fazit
Feuchtigkeit gehört zu den häufigsten Ursachen schwerer Schäden an mechanischen Uhren. Entscheidend ist jedoch, zwischen harmlosem Beschlag und einem echten Wasserschaden zu unterscheiden.
Während leichter Beschlag häufig noch keine unmittelbaren Schäden verursacht, erfordern sichtbare Wassertropfen schnelles Handeln. Wird die Ursache früh erkannt und fachgerecht behoben, lassen sich Korrosion und kostspielige Folgereparaturen oft vermeiden.
Eine hochwertige Armbanduhr ist weit mehr als ein Zeitmesser. Mit regelmässigen Dichtigkeitsprüfungen, einer fachgerechten Wartung und einer frühzeitigen Kontrolle bei den ersten Anzeichen von Feuchtigkeit tragen Sie entscheidend dazu bei, ihre Präzision, ihren Wert und ihre Geschichte über viele Jahre – oft sogar über Generationen – zu erhalten.
Sind Sie unsicher, ob es sich bei Ihrer Uhr lediglich um Beschlag oder bereits um einen Wasserschaden handelt?
Unsere Uhrmacher prüfen Ihren Zeitmesser sorgfältig und beraten Sie persönlich und transparent darüber, welche Massnahmen sinnvoll und notwendig sind. So lassen sich mögliche Folgeschäden häufig vermeiden und der langfristige Werterhalt Ihrer Uhr sichern.








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